Für viele Betriebe war 2027 als Jahr mit Kostenrisiko markiert. Ursprünglich sollte der nationale CO2-Preis auf Brennstoffe dann in den europäischen Emissionshandel übergehen, mit offenem Ausgang für den Preis. Jetzt herrscht mehr Klarheit: Der CO2-Preis 2027 bleibt im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne, so wie schon 2026. Der Bundestag hat die Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes am 15. Oktober 2026 beschlossen. In diesem Beitrag erfährst du, was der CO2-Preis 2027 konkret für Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas bedeutet, wie du die Kosten für dein Unternehmen berechnest und warum du dich trotzdem schon jetzt auf 2028 vorbereiten solltest.
Inhaltsverzeichnis
CO2-Preis 2027: Das Wichtigste in Kürze
- Preiskorridor: 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2, unverändert gegenüber 2026.
- Beschluss: Bundestag am 15. Oktober 2026, mit 303 Ja-Stimmen bei 210 Gegenstimmen.
- Hintergrund: Der EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS2) wurde auf 2028 verschoben.
- Folge: Kein Preissprung bei Sprit und Heizung 2027.
- Größenordnung: rund 15 bis 20 Cent pro Liter Diesel und gut 1 bis 1,5 Cent pro Kilowattstunde Erdgas, jeweils inklusive Mehrwertsteuer.
- Ausblick: Ab 2028 bildet sich der Preis frei am europäischen Markt.
Was ist der CO2-Preis auf Brennstoffe?
Der CO2-Preis auf Brennstoffe ist eine Abgabe auf die Emissionen von Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas und weiteren fossilen Energieträgern. Er wird seit 2021 über den nationalen Emissionshandel nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) erhoben. Zahlen müssen ihn die Inverkehrbringer der Brennstoffe, also etwa Mineralölgesellschaften und Gaslieferanten. Sie geben die Kosten über den Preis an Unternehmen und Verbraucher weiter.
Der Preis stieg schrittweise: von 25 Euro pro Tonne im Jahr 2021 über 45 Euro 2024 auf 55 Euro 2025. Seit 2026 werden die Zertifikate versteigert, allerdings innerhalb eines festen Korridors von 55 bis 65 Euro. Genau dieser Korridor gilt nun auch für den CO2-Preis 2027.
Warum der CO2-Preis 2027 eingefroren wird
Eigentlich sollte der nationale Emissionshandel 2027 in das europäische System ETS2 übergehen. Die EU hat den Start jedoch auf 2028 verschoben. Ohne Gesetzesänderung hätte sich der deutsche Preis 2027 am schwankenden Durchschnitt der Versteigerungen im bestehenden EU-Emissionshandel für Industrie und Energie orientiert. Das hätte einen deutlichen Sprung bedeuten können.
Die Bundesregierung begründet die Verlängerung des Korridors mit Planungssicherheit für Unternehmen und Verbraucher angesichts angespannter Energie- und Rohstoffmärkte. Laut Deutschem Bundestag wurden im Ausschuss noch Details angepasst: Rund 234 Millionen Zertifikate sollen 2027 versteigert werden, Nachkaufmengen kosten 73 Euro pro Tonne. Der Bundesrat muss sich noch mit dem Gesetz befassen.
Was kostet der CO2-Preis 2027 pro Liter und Kilowattstunde?
Wie stark der CO2-Preis 2027 auf deine Energierechnung durchschlägt, hängt vom Brennstoff ab. Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte auf Basis typischer Emissionsfaktoren, jeweils netto und inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer:
| Brennstoff | bei 55 Euro/t (netto) | bei 65 Euro/t (netto) | bei 65 Euro/t (brutto) |
|---|---|---|---|
| Diesel (pro Liter) | ca. 14,6 Cent | ca. 17,2 Cent | ca. 20,5 Cent |
| Benzin (pro Liter) | ca. 13,2 Cent | ca. 15,6 Cent | ca. 18,6 Cent |
| Heizöl (pro Liter) | ca. 14,6 Cent | ca. 17,2 Cent | ca. 20,5 Cent |
| Erdgas (pro kWh) | ca. 1,1 Cent | ca. 1,3 Cent | ca. 1,6 Cent |
Unternehmen mit Vorsteuerabzug rechnen mit den Nettowerten. Wo genau im Korridor sich der Preis bei den Versteigerungen einpendelt, entscheidet der Markt.

Rechenbeispiel: Fuhrpark und Gewerbehalle
Ein Handwerksbetrieb betreibt zehn Diesel-Transporter. Jedes Fahrzeug fährt 30.000 Kilometer im Jahr und verbraucht neun Liter auf 100 Kilometer. Das ergibt 27.000 Liter Diesel und rund 72 Tonnen CO2.
- Bei 55 Euro pro Tonne: rund 3.950 Euro CO2-Kosten im Jahr.
- Bei 65 Euro pro Tonne: rund 4.650 Euro.
Dazu kommt eine Gewerbehalle mit einem Gasverbrauch von 300.000 Kilowattstunden. Das entspricht etwa 60 Tonnen CO2 und damit 3.300 bis 3.900 Euro pro Jahr.
In Summe zahlt der Betrieb also rund 7.200 bis 8.600 Euro netto allein für den CO2-Preis 2027. Das ist planbar, aber kein Kleingeld. Spannend wird die Rechnung ab 2028, wenn sich der Preis am europäischen Markt frei bildet.
Welche Unternehmen besonders betroffen sind
Grundsätzlich trifft der CO2-Preis jedes Unternehmen, das fossile Brennstoffe für Wärme oder Mobilität nutzt. Besonders spürbar ist er für:
- Logistik und Transport: Diesel ist der größte Kostenblock nach dem Personal.
- Handwerk und Bau: große Fuhrparks und beheizte Werkstätten.
- Handel mit großen Flächen: hoher Wärmebedarf in Märkten und Lagern.
- Gastronomie und Hotellerie: Gas für Küche, Warmwasser und Heizung.
- Mittelständische Produktion: Prozesswärme aus Erdgas, sofern die Anlagen nicht schon im EU-ETS1 erfasst sind.
Große Industrieanlagen und Kraftwerke unterliegen dagegen bereits dem europäischen Emissionshandel ETS1 und sind vom nationalen CO2-Preis nicht doppelt betroffen.
Unterschätzt wird oft der indirekte Effekt: Auch wer selbst kaum Brennstoffe verbraucht, zahlt den CO2-Preis über Lieferanten, Speditionen und Dienstleister mit. Steigende Frachtkosten, höhere Nebenkosten für gemietete Flächen und Energiezuschläge in Angeboten sind die Folge. Prüfe deshalb nicht nur deine eigene Energierechnung, sondern auch, welche Kosten deine wichtigsten Partner an dich weitergeben.
Entlastungen und Ausgleichsregeln
Ganz ohne Ausgleich bleibt die Wirtschaft nicht. Diese Instrumente solltest du kennen:
- Carbon-Leakage-Regelung: Energieintensive Unternehmen im internationalen Wettbewerb können nach der BEHG-Carbon-Leakage-Verordnung eine Beihilfe beantragen. Voraussetzung sind unter anderem Gegenleistungen wie Investitionen in Klimaschutz.
- Kostenaufteilung bei Mietflächen: Bei Gewerbeimmobilien teilen sich Vermieter und Mieter die CO2-Kosten für die Heizung grundsätzlich hälftig.
- Doppelbelastung vermeiden: Wer Brennstoffe in einer ETS1-Anlage einsetzt, kann eine doppelte Bepreisung vermeiden.
Zuständig für den nationalen Emissionshandel ist die Deutsche Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt. Dort findest du Informationen zu Anträgen und Fristen.
Ausblick: Was ab 2028 mit dem ETS2 kommt
Der eingefrorene CO2-Preis 2027 ist eine Atempause, keine Entwarnung. Ab 2028 gilt der europäische Emissionshandel ETS2 für Gebäude und Straßenverkehr. Dann gibt es keinen festen Korridor mehr. Der Preis bildet sich am Markt, und die Zahl der Zertifikate wird Jahr für Jahr verknappt.
Wie hoch der Preis dann steigt, ist offen. Die Prognosen gehen weit auseinander. Die EU hat zwar Mechanismen zur Preisstabilisierung eingebaut, etwa eine Marktstabilitätsreserve. Viele Analysten rechnen dennoch mit spürbar höheren Preisen als heute. Für Unternehmen heißt das: Wer jetzt investiert, profitiert doppelt, weil jede eingesparte Tonne CO2 in Zukunft mehr wert ist.

Fünf Hebel, um CO2-Kosten zu senken
- Fuhrpark elektrifizieren: Elektrofahrzeuge zahlen keinen CO2-Preis auf Kraftstoff. Mit eigenem Solarstrom sinken die Kosten zusätzlich.
- Heizung umstellen: Wärmepumpen oder Fernwärme aus erneuerbaren Quellen ersetzen Gas und Öl.
- Eigenstrom erzeugen: Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Gewerbedach macht dich unabhängiger von Energiepreisen.
- Effizienz steigern: Dämmung, Abwärmenutzung und moderne Steuerung senken den Verbrauch oft mit kurzer Amortisationszeit.
- Touren optimieren: Digitale Routenplanung reduziert Kilometer und damit Diesel und CO2.
Bei der Umstellung auf Strom solltest du auch die Netzentgelte im Blick behalten. Wie du sie senken kannst, zeigt unser Beitrag zu Netzentgelten im Gewerbe.
CO2-Preis in Angeboten und Verträgen berücksichtigen
Viele Betriebe unterschätzen, wie stark Energiekosten ihre Kalkulation beeinflussen. Gerade bei längeren Verträgen lohnt sich ein Blick auf die Preisgestaltung:
- Preisgleitklauseln: In Rahmenverträgen über mehrere Jahre kannst du Energie- oder CO2-Kostenanteile an einen Index koppeln.
- Transparente Zuschläge: Speditionen weisen Kraftstoff- oder Mautzuschläge oft getrennt aus. Das schafft Akzeptanz beim Kunden.
- Energieverträge prüfen: Achte darauf, wie dein Gas- oder Heizöllieferant den CO2-Preis weitergibt.
Für 2027 kannst du mit der Obergrenze von 65 Euro kalkulieren. Für Verträge, die bis 2028 und darüber hinaus laufen, solltest du dagegen Szenarien mit deutlich höheren Werten durchrechnen.
Was der CO2-Preis 2027 für die Konjunktur bedeutet
Gesamtwirtschaftlich nimmt die Entscheidung Druck aus der Preisentwicklung. Ein Sprung beim CO2-Preis hätte Sprit und Heizen verteuert und die Inflation erhöht, in einer Phase, in der die Wirtschaft nur langsam wächst. Die Stabilisierung kostet den Klima- und Transformationsfonds allerdings Einnahmen. Diese Mittel fehlen an anderer Stelle, etwa bei Förderprogrammen.
Kritiker sehen in der Verschiebung ein falsches Signal für den Klimaschutz, weil Investitionen aufgeschoben werden könnten. Befürworter verweisen auf die Belastung von Betrieben und Haushalten. Für die Einordnung der Energiekosten im größeren Bild lohnt sich unser Beitrag zu Energiepreisen in der Industrie.
Fazit: Planbares Jahr, unsichere Zukunft
Der CO2-Preis 2027 bleibt mit 55 bis 65 Euro pro Tonne berechenbar. Für die Budgetplanung ist das eine gute Nachricht. Doch mit dem Start des ETS2 im Jahr 2028 ändert sich die Lage grundlegend. Nutze das kommende Jahr, um deinen Verbrauch zu analysieren, Investitionen in Effizienz und Elektrifizierung vorzubereiten und deine Verträge auf steigende Energiepreise einzustellen.
Wer heute handelt, macht aus dem CO2-Preis keinen Kostenfaktor, sondern einen Wettbewerbsvorteil.
FAQ: Häufige Fragen zu CO2-Preis 2027
Wie hoch ist der CO2-Preis 2027?
Der CO2-Preis auf Brennstoffe liegt 2027 wie schon 2026 im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2. Das hat der Bundestag am 15. Oktober 2026 beschlossen.
Warum steigt der CO2-Preis 2027 nicht?
Weil der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS2) auf 2028 verschoben wurde. Die Bundesregierung will Unternehmen und Verbrauchern bis dahin Planungssicherheit geben.
Wie viel macht der CO2-Preis beim Diesel aus?
Bei 55 bis 65 Euro pro Tonne entfallen etwa 14,6 bis 17,2 Cent netto auf jeden Liter Diesel, mit Mehrwertsteuer rund 17 bis 20,5 Cent.
Was passiert mit dem CO2-Preis ab 2028?
Ab 2028 gilt der EU-Emissionshandel ETS2. Der Preis bildet sich dann frei am Markt, die Zahl der Zertifikate sinkt schrittweise, und viele Experten erwarten höhere Preise als heute.
