Du planst eine neue Maschine, eine Hallenerweiterung oder brauchst Liquidität für Wachstum, und dein Steuerberater erwähnt den KfW Unternehmerkredit? Dann lohnt sich ein genauer Blick. Das Programm mit den Nummern 037 und 047 gibt es in seiner alten Form nicht mehr. Die KfW hat ihre Mittelstandsförderung neu sortiert. In diesem Beitrag erfährst du, welche Kredite heute an die Stelle des KfW Unternehmerkredits treten, welche Voraussetzungen du erfüllen musst und wie du den Antrag Schritt für Schritt über deine Hausbank stellst.
Inhaltsverzeichnis
Der KfW Unternehmerkredit auf einen Blick
- Status: Der KfW Unternehmerkredit (Programme 037 und 047) ist eingestellt. Neue Anträge sind nicht mehr möglich. Bestehende Kredite laufen zu den vereinbarten Konditionen weiter.
- Hauptnachfolger für KMU: der ERP-Förderkredit KMU, Programm 365 ohne und 366 mit Haftungsfreistellung.
- Für größere Unternehmen: der KfW-Förderkredit großer Mittelstand, Programme 375 und 376.
- Für Gründer und Nachfolger: ERP-Gründerkredit StartGeld (067) und ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077).
- Kreditbetrag: beim ERP-Förderkredit KMU bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben.
- Antrag: immer über die Hausbank und vor Beginn des Vorhabens.
Was den KfW Unternehmerkredit ausgemacht hat
Der KfW Unternehmerkredit war über Jahre das Standardprodukt der KfW für etablierte Mittelständler. Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren am Markt waren, konnten damit Investitionen und Betriebsmittel finanzieren.
Die wichtigsten Eckpunkte des alten Programms:
- Kredite bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben,
- Laufzeiten bis zu zehn Jahre bei Investitionen,
- bis zu zwei tilgungsfreie Anlaufjahre,
- optional eine Haftungsfreistellung für die Hausbank (Programm 047).
Die KfW hat die Programme inzwischen durch neue Förderkredite ersetzt. Die Grundidee bleibt gleich: Ein zinsgünstiges Darlehen, das du über deine Hausbank erhältst und mit dem du langfristige Vorhaben finanzierst. Geändert haben sich vor allem Zielgruppen, Laufzeitvarianten und Zinsstruktur.
Die Nachfolger: Welcher Förderkredit zu dir passt
Welches Programm für dich infrage kommt, hängt vor allem von der Größe und dem Alter deines Unternehmens ab.
ERP-Förderkredit KMU (365 und 366)
Der direkte Nachfolger für kleine und mittlere Unternehmen. Er steht auch jungen Unternehmen offen, die jünger als fünf Jahre sind, und diese erhalten sogar günstigere Zinsen. Im Programm 366 übernimmt die KfW einen Teil des Kreditrisikos, typischerweise 50 Prozent. Das erleichtert der Hausbank die Zusage, wenn Sicherheiten knapp sind.
KfW-Förderkredit großer Mittelstand (375 und 376)
Für Unternehmen, die die KMU-Grenzen überschreiten, aber noch zum Mittelstand zählen. Auch hier gibt es eine Variante mit Haftungsfreistellung.
ERP-Gründerkredit StartGeld (067)
Für Gründungen und junge Unternehmen mit kleinerem Finanzierungsbedarf. Die KfW übernimmt hier einen hohen Anteil des Risikos.
ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077)
Für Gründer, Unternehmensnachfolger und junge Unternehmen mit größerem Kapitalbedarf, etwa bei einer Übernahme.
Voraussetzungen für den ERP-Förderkredit KMU
Wer früher den KfW Unternehmerkredit beantragt hätte, landet heute meist beim ERP-Förderkredit KMU. Diese Voraussetzungen musst du erfüllen:
- KMU-Status nach EU-Definition: weniger als 250 Beschäftigte und entweder höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz oder höchstens 43 Millionen Euro Bilanzsumme. Verbundene Unternehmen und Partnerunternehmen werden mitgerechnet.
- Gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit: Antragsberechtigt sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und Freiberufler.
- Vorhaben in Deutschland: Die Investition oder der Betriebsmittelbedarf muss im Inland liegen.
- Kein Vorhabenbeginn vor Antrag: Du darfst noch keine Liefer- oder Leistungsverträge abgeschlossen haben. Planung und Angebote einholen sind erlaubt.
- Ausreichende Bonität: Deine Hausbank prüft Jahresabschlüsse, Planzahlen und Sicherheiten. Sie trägt in der Regel das Kreditrisiko.
- Kein Unternehmen in Schwierigkeiten: Sanierungsfälle sind von der Förderung ausgeschlossen.
Die genauen und aktuellen Bedingungen findest du im Merkblatt auf der Website der KfW. Die Konditionen ändern sich regelmäßig.

Was du finanzieren kannst und was nicht
Der ERP-Förderkredit KMU deckt bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten. Förderfähig sind insbesondere:
- Investitionen: Grundstücke, Gebäude, Baumaßnahmen, Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge, IT und Software sowie immaterielle Wirtschaftsgüter.
- Betriebsmittel: Warenlager, Personalkosten in der Wachstumsphase, Markterschließung.
- Übernahmen und Beteiligungen: unter bestimmten Bedingungen, etwa bei Nachfolgeregelungen.
Ausgeschlossen sind dagegen:
- Umschuldungen und Nachfinanzierungen bereits abgeschlossener Vorhaben,
- Investitionen in Wohngebäude,
- reine Finanzinvestitionen,
- Vorhaben von Unternehmen in Schwierigkeiten.
Plane deshalb früh. Wer die Maschine bereits bestellt hat, kann sie nicht mehr über den Förderkredit finanzieren.
Laufzeiten, Tilgung und Zinsen
Der ERP-Förderkredit KMU bietet je nach Verwendungszweck verschiedene Laufzeitvarianten:
- Investitionen: 5 Jahre mit 1 tilgungsfreien Jahr, 10 Jahre mit 2 tilgungsfreien Jahren oder 20 Jahre mit 3 tilgungsfreien Jahren. Die Zinsbindung beträgt bis zu zehn Jahre.
- Betriebsmittel: 2 Jahre oder bis zu 5 Jahre mit 1 tilgungsfreien Jahr.
Die Zinsen folgen einem risikogerechten Zinssystem. Deine Hausbank stuft dich nach wirtschaftlicher Lage und Werthaltigkeit der Sicherheiten in eine Preisklasse ein. Je besser Bonität und Besicherung, desto niedriger der Zins. Die KfW gibt dabei Maximalzinssätze vor.
Ein Vorteil gegenüber vielen Bankdarlehen: Die tilgungsfreien Anlaufjahre schonen deine Liquidität genau in der Phase, in der eine Investition noch keine Erträge bringt. Wie du deine Finanzierung insgesamt aufstellst, zeigt unser Vergleich der Unternehmensfinanzierung.
Haftungsfreistellung: Wann sich die Variante lohnt
Bei den Programmen 366 und 376 übernimmt die KfW einen Teil des Ausfallrisikos der Hausbank. Für dich als Unternehmer ändert sich an der Haftung nichts: Du schuldest den Kredit weiterhin vollständig. Die Bank aber muss nur noch den verbleibenden Teil mit Eigenkapital unterlegen und absichern.
Die Variante mit Haftungsfreistellung lohnt sich vor allem, wenn:
- deine Sicherheiten für das geplante Volumen nicht ausreichen,
- dein Unternehmen jung ist und noch keine lange Bilanzhistorie hat,
- die Bank bei einem großen Vorhaben ihr Risiko begrenzen möchte.
Der Preis dafür ist ein etwas höherer Zinssatz, weil die KfW sich das übernommene Risiko vergüten lässt. Wäge ab, ob die bessere Zusagechance den Aufschlag rechtfertigt. Häufig ist sie der Schlüssel, damit ein Vorhaben überhaupt finanziert wird.

Förderkredite clever kombinieren
Ein Förderkredit muss nicht allein stehen. Viele Unternehmen kombinieren mehrere Bausteine:
- Landesförderbanken: Jedes Bundesland hat eigene Förderinstitute mit Darlehen, Bürgschaften und Zuschüssen, die sich teils mit KfW-Mitteln kombinieren lassen.
- Bürgschaftsbanken: Sie springen ein, wenn Sicherheiten fehlen, und verbessern so die Chancen bei der Hausbank.
- Zuschüsse: Programme für Energieeffizienz, Digitalisierung oder Beratung senken den Finanzierungsbedarf zusätzlich.
- Eigenkapital: Ein angemessener Eigenanteil signalisiert der Bank, dass du selbst an dein Vorhaben glaubst.
Achte bei Kombinationen auf die Kumulierungsregeln des Beihilferechts. Deine Hausbank oder ein Fördermittelberater hilft dir, die Grenzen einzuhalten.
So beantragst du den Förderkredit Schritt für Schritt
- Vorhaben definieren: Beschreibe Investition oder Betriebsmittelbedarf mit Kosten, Zeitplan und erwarteten Effekten.
- Unterlagen vorbereiten: Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre, aktuelle BWA mit Summen- und Saldenliste, Investitions- und Finanzierungsplan, Liquiditätsplanung und bei jungen Unternehmen einen Businessplan.
- Hausbank ansprechen: Vereinbare einen Termin mit deinem Firmenkundenbetreuer. Frag gezielt nach dem passenden KfW-Programm und der Variante mit oder ohne Haftungsfreistellung.
- Antrag vor Vorhabenbeginn: Die Bank stellt den Antrag bei der KfW. Erst danach unterschreibst du Kauf- oder Bauverträge.
- Zusage und Auszahlung: Nach der Zusage schließt du den Kreditvertrag mit der Hausbank. Die Mittel rufst du innerhalb der vorgegebenen Fristen ab.
- Verwendungsnachweis: Belege die zweckgerechte Verwendung gegenüber deiner Bank.
Hol bei größeren Vorhaben Angebote von mehreren Banken ein. Die Einstufung in die Preisklassen und die Anforderungen an Sicherheiten unterscheiden sich teils deutlich.
Häufige Gründe für eine Ablehnung
Eine Förderzusage ist kein Selbstläufer. Die häufigsten Stolpersteine:
- Vorhaben bereits begonnen: Ein unterschriebener Vertrag vor dem Antrag schließt die Förderung aus.
- Schwache Bonität: Verluste, negatives Eigenkapital oder eine angespannte Liquidität lassen Banken zögern.
- Fehlende Sicherheiten: Hier hilft oft die Variante mit Haftungsfreistellung oder eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank.
- Unklare Planung: Wer nicht zeigen kann, wie die Investition Kapitaldienst erwirtschaftet, überzeugt keine Bank.
- Geringes Interesse der Hausbank: Bei kleinen Beträgen verdienen Banken an Förderkrediten wenig. Manche Institute bieten sie deshalb nur zögerlich an.
Hat deine Bank abgelehnt, ist das noch nicht das Ende. Welche Alternativen du dann hast, liest du in unserem Ratgeber Bankkredit abgelehnt: Was Unternehmen jetzt tun können.
Fazit: Der KfW Unternehmerkredit lebt in neuen Programmen weiter
Den KfW Unternehmerkredit kannst du nicht mehr beantragen. Seine Aufgabe übernehmen heute der ERP-Förderkredit KMU, der KfW-Förderkredit großer Mittelstand und die Gründer- und Nachfolgeprogramme. Für viele Unternehmen sind die Bedingungen sogar besser, etwa durch längere Laufzeiten und den Zugang für junge Unternehmen.
Entscheidend ist die Reihenfolge: erst Antrag, dann Vertrag. Bereite deine Unterlagen sorgfältig vor, sprich früh mit deiner Hausbank und prüfe ergänzend Zuschüsse und Landesprogramme. Einen Überblick über weitere Möglichkeiten gibt unser Beitrag zu den Förderprogrammen 2027.
FAQ: Häufige Fragen zu KfW Unternehmerkredit
Gibt es den KfW Unternehmerkredit noch?
Nein. Der KfW Unternehmerkredit mit den Programmnummern 037 und 047 ist eingestellt. An seine Stelle treten vor allem der ERP-Förderkredit KMU (365 und 366) und der KfW-Förderkredit großer Mittelstand (375 und 376).
Welche Voraussetzungen gelten für den ERP-Förderkredit KMU?
Dein Unternehmen muss die EU-Definition für KMU erfüllen, gewerblich oder freiberuflich tätig sein und das Vorhaben in Deutschland umsetzen. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn über die Hausbank gestellt werden, und das Unternehmen darf nicht in Schwierigkeiten sein.
Wie hoch kann ein KfW-Förderkredit für KMU sein?
Der ERP-Förderkredit KMU finanziert bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben und bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten.
Wo beantrage ich einen KfW-Kredit für mein Unternehmen?
Förderkredite der KfW beantragst du nicht direkt bei der KfW, sondern über deine Hausbank oder eine andere Bank. Sie prüft deine Unterlagen, stellt den Antrag und schließt mit dir den Kreditvertrag.
